Die Universität Uppsala wirft ein Buch über Erinnerungstherapie ins Feuer

Av Max Scharnberg, Dozent

 

 


Dozent Max Scharnberg hat den Doktor in der Erziehungswissenschaft gemacht. Er hat unterrichtet in die Psychologie der Lüge am Stockholm School of Economics, und in Sozialarbeit am Örebro Universität. Er ist Expert gewesen in mehr als 25 gerichtlichen Fallen mit Inzestbeschuldigungen. Während vieler Jahren hat er über Sigmund Freud und die Psychoanalyse geforscht, und auch über gerichtliche Beweiswertung. In eine Anzahl von Büchern hat er die psychoanalytischen Schlüsse und Deduktions­methoden kritisiert. Er meint, dass solche Schlüsse sowie auch andere Formen von unzulänglicher Beweiswertung haben in einer Reihe von Fällen falscher Verurteilungen verursacht.

Dieser Artikel ist hier publiziert mit der Genehmigung des Verfassers.

 

 

Es muss eine einzigartige Gegebenheit sein, dass eine Universität eine von ihren eigenen Forschungsreporten brennt, und zwar nur weil die hervorgebrachte und wohl fundierte Resultate gegen die Auffassung (nicht die Resultate) eines bestimmten Professors streiten. Nicht desto weniger hat Uppsala Universität in Mai 2009 den Beschluss gefasst sämtliche Kopien von Max Scharnbergs Textual Analysis of a Recovered Memory Trial Assisted by Computer Search for Keywords zu vernichten. Nur zwei Monate früher hatte die Universität dasselbe Buch publiziert in ihrer eigenen Serie Uppsala Studies in Education. Was geschah oder was wurde entdeckt in der Zwischenzeit?

 

Eva Lundgren ist Professor in Soziologie. Sie behauptet erstens, dass jeder Mann den selben Grad von Neigung zu physische Misshandel von Frauen habe. Nicht einmal chronische Alkoholmissbraucher unterscheiden sich von ihren übrigen männlichen Geschlechtsgenossen.

 

Zweitens behauptet Professor Lundgren, dass rituelle Kindermorde in Schweden häufig vorkommen.

 

Drittens, Erinnerungen von Kindermord sind zuverlässig, auch wenn die Erinnerungen auftauchen während psychotherapeutischer Behandlung, und dem Patienten vollständig unbekannt waren vor der Behandlung.

 

Viertens, der gerichtliche Södertälje-Fall 1992-1994 machte ihren stärksten Beweis von den Kindermorden aus. Sie hat Interviews mit der 15-jährige Tochter durchgeführt. (Ich habe das Mädchen das Pseudonym „Elvira“ gegeben.) Aber Lundgren hat dabei alle Elviras Beschuldigungen für bare Münze genommen. Sie hat nicht einmal kontrolliert, ob ihre Aussagen in Lundgrens Interviews mit ihren Aussagen zu der Polizei übereinstimmen.

 

Professor Lundgren hat ferner den Grund berichtet, warum sie die vielen Kindermorde nicht der Polizei gemeldet habe: sie verdächtigt, dass die Polizei mit den Kindermördern verbündet sei.

 

Viele Feministen bewundern Lundgren. Viele Anderen sehen sie aber als eine schwere Last für den Feminismus.

 

Die übergreifende Situation, warum die Universität den Beschluss der Buchbrennung Scharnbergs Buch genommen hat, muss beschrieben werden.

 

In 2005 wurde einen kräftigen Angriff sowohl gegen Uppsala Universität wie gegen Professor Lundgren gerichtet von einer Reihe von Wissenschaftlern, darunter Stig Strömholm, der während 1989-1997 der Rektor der Universität war. Die Kritiker behaupteten, dass Lundgrens Forschung vor ihrer Ernennung zu Professor nicht zureichend war, um diese Ernennung zu rechtfertigen. Und noch schlimmer, ihre Forschung während ihrer Zeit als Professor war nicht wissenschaftlich.

 

Ihre Schriften implizieren, dass sie mehrere Interviews von den selben Personen gemacht habe während viele Jahren. Tatsächlich hat sie ein Interview gemacht. Aber dieses hat sie „re-cycled“ und nach jedem Recycling sehr verschiedene Information erhalten. Ein Mann hatte das Gefühl, dass er Gottes Werkzeug wäre, als er seine Frau körperlich bestrafte. Schon in dem ersten und wirklichen Interview hat Lundgren ihm gefragt, ob er Erektion durch diese Bestrafungen bekam. Aber nicht bevor die dritte Recycling hat er [angeblich!] die Frage bejaht.

 

In dem selben Jahr berief Uppsala Universität zwei Professoren, um Lundgrens Forschung zu würdigen. Es war völlig klar, dass ihre Aufgabe nicht zu beurteilen war, ob ihre Forschung gut oder schlecht wäre, sondern nur ob absichtliche Fälschungen oder Verdrehungen der Tatsachen vorkamen.

 

Die zwei Professoren waren übereins betreffend er grösste Teil ihrer Untersuchung. Sie zogen es aber vor separate Formulierungen der endgültigen Konklusionen zu schreiben. Hier kommt eine Auswahl von den Konklusionen des einen Professors (Margareta Hallberg):

 

„Es ist ein ernsthaftes Problem, dass wir nicht Zugang bekommen haben zu dem Quellenmaterialen, das wir verlangt haben. ... Die empirischen Studien sind wenige, und Lundgren recycelt ein Mal ums Andere ein kleines Anzahl von bearbeitete Interviews als empirische Beispiele dafür, dass Normalisie­rung [von Gewalt] ein generelle Phänomen in Misshandelsrelationen sei. ... Eine notwendige Bedingung um zu entscheiden, ob ein Forscher seine Data absichtlich gefälscht oder verdreht hat, ist, dass das ganze Quellenmateriale zugänglich ist. Es ergibt sich aus unserer Durchsicht, dass Lundgren das Materiale nicht ausgeliefert hat. Darum ist es unmöglich die Frage zu beantworten. ... Alles zusammengenommen hat unserer Nachforschung mehrere ernsthafte Probleme in Lundgrens Forschung. Wir haben empirische Behauptungen gefunden, für denen empirischer Grund ermangelt, Zweideutig­keit betreffend Auswahl und Anzahl von Interviewpersonen, Abwesenheit von alternativen Deutungen, Behauptungen, die ihre eigenen Daten widerspricht, Verallgemeinerungen gegründet in einer kleinen Basis. Das bedeutet meiner Meinung nach, dass die Glaubwürdigkeit von Lundgrens Forschung in Frage gestellt werden muss.“

 

Mir scheint es, dass die abschliessende Konklusion des anderen Professors (Jörgen Hermansson) noch harter sei, jedoch mit einem Ausnahme. Er schreibt nämlich, dass er diese Art von Kontrolle eines Forschers überhaupt nicht mag.

 

Zu dem Lundgren-Falle gehört auch einen merkwürdigen Epilog. Lundgren forderte Schadenersatz, weil ihre Forschung untersucht war. Ein Vergleich wurde verhandelt, nachdem Lundgren einen Ersatz auf 100 000 SchwKr erhielt, plus einen extra Lehrer bei ihrer Institution durch sechs Monate. – Sie muss kräftige Unterstützung von einer speziellen Art von Feministen gehabt haben, um Ersatz von dieser Grösse zu erhalten.

 

Ich habe immer gewusst, dass Lundgren ein Pseudo-Wissenschaftler ist. Aber ich kennte nicht die Details der Konflikt. Insbesondere hatte ich keine Ahnung von dem Epilog.

 

Auch war mir der Gedanke fern, dass die Institution, die während 25 Jahre alle meine Anträge zum Wissenschaftsrat besorgt hatte, eine solche Art von Gewissen hatte, dass es ihm nicht zuwider war wichtige Forschungsresultate und bedeutende methodologische Innovationen zu vernichten, ausschliesslich um Lundgrens Ansehen zu schützen.

 

Wie oben gesagt bestand Lundgrens stärkster Beweis von rituellen Kindermorden in Schweden von Elviras Aussagen in dem Södertälje-Falle. Ich will alle ihre Beschuldigungen aufreihen. Beide biologische Eltern hatten sie und ihre ein Jahr jüngere Schwester sexuell missbraucht, seit die Mädchen sechs Jahre alt waren. Sie hatten auch beide Schwester auf Sexklubs als prostituierte ausgeliehen seit derselben Alter. Die Eltern waren ferner Mitglieder eines Vereins, der regelmässig rituelle Kindermorde ausführte. Elvira hatte ihr Vater nach Polen gefolgt, wo er Kinder gekauft hatte, um sie in Stockholm zu schlachten. Elvira behauptet, dass sie selbst Kinder getötet habe. So hat auch eine Reihe von wirklichen Personen getan, u. a. ein Oberlandesrichter und seine Tochter, die hier „Annette“ genannt wird.

 

Erstaunlicherweise erwähnt Elvira nie ihre jüngere Schwester („Ingrid“) in Verbindung mit den rituellen Morden. Anderswo sagt sie aber der Polizei, dass sie nie einen Freund oder Freundin hatte; keiner wollte ihr Freund oder eine Freundin sein. Aber Annette berichtet, dass sie und Elvira seit der Vorschule besondere Freunde waren. Und zusammen mit Ingrid waren sie „Die drei Musketiere“. Diese Freundschaft dauerte bis Elvira Annette für Mord beschuldigte.

 

Elvira hat der Polizei auch die Stellen in dem Walde ausgezeichnet, wo die Mörder die Knochen der geschlachteten Kinder begraben hätten. 70 Polizeimänner haben den Wald durchgegraben, unter Leitung von vier Polizeihelikopter. Aber schliesslich haben hoch qualifizierte Experten aus der KTH Royal Institute of Technology bewiesen, dass keiner auf diesen Stellen gegraben hat seit der Eiszeit (das ist deren eigenen Formulierung).

 

Weiter ist die Polizei ist Stockholm durchgefahren zusammen mit Elvira, in der Hoffnung, dass sie die Mordplatzen und die Sexklubs finden könnte. An Odengatan 104 hat sie ein Mordplatz ausgezeigt. Aber das ist ein ganz normales Haus. An Danderydsgatan 20 hat sie den Eingang zu einem Sexklub wiedererkannt. Aber hinter dem Eingang gab es ein Fahrradkeller.

 

Keiner von den Eltern wurde wegen der Morde beim Gericht verklagen. Aber betreffend sexueller Missbrauch und Zuhälterei wurden beide für schuldig erklärt. Der Vater bekam die Maximumstrafe für diese Art von Verbrechen, und die Mutter bekam die hälfte.

 

Der Södertälje Fall ist wahrscheinlich die grösste erinnerungstherapeutische Sache, die je von einem schwedischen Gericht behandelt sei. Es gibt 40 Polizeiverhöre von Elvira. 28 wurden auf Video aufgenommen und Wort-für-Wort von der Polizei ausgeschrieben. Offensichtlich ist es den Menschen nicht möglich eine solche gigantische Menge von Information aufzufassen und zu werten. Und es ist angsterregend, dass einige Richter glauben, dass sie das leisten können, sogar wenn sie die Bänder ein einziges Mal durchsehen und durchhören.

 

Dagegen war ich meine Begrenzung bewusst. Und darum habe ich Assistenz von einem Computer genommen. Ich habe alle Information in einem ungeheuren Dokument, die 245 000 Worte umfasst, geskannet. In diesem Dokument kann ich schnell alle Beispiele finden, wo eine besondere Gegebenheit oder Erscheinung erwähnt wird. Wer hat zuerst von dieser oder jener Gegebenheit berichtet? An welche Zeit wusste eine andere Person nichts von derselben? Usw.

 

Unter meinen vielen Resultaten sind vier so grundlegend, dass ich sie Kardinalresultate genannt habe. Diese werden jetzt erläutert.

 

(1) Elviras Pflegemutter weiss buchstablich alles, was Elvira erlebt hat, einige Wochen oder Monate, bevor Elvira es selbst weiss. Ein bestimmtes Muster wiederholt sich immer und immer. Die Pflegemutter telephoniert die Polizei und berichtet, was Elvira an dem vorigen Abend ihr (angeblich) erzählt habe unter viel Weinen und Zittern. Aber wenn Elvira ihr Psychotherapeut wenige Tage später besucht, hat sie keine Erinnerung, solche Erfahrungen jemals erlebt zu haben. Der selbe Mangel von Erinnerungen kennzeichnet sie, wenn sie noch ein Paar Tage später von der Polizei verhört wird.

 

Das Voraus-Wissen der Pflegemutter beweist, dass sie bewusst lügt darüber, was Elvira ihr erzählt habe. Aber es beweist auch, dass die Pflegemutter die Person ist, die die Geschichten von den sexuellen Missbräuchen und den Kindermorden erfunden und in Elvira indoktriniert hat.

 

(2) Wenn ich versuche die Gegebenheiten zusammenzurechnen, scheint es mir, dass Elvira um 250 Koitus-Akte erlebt hat. Sie hat jedoch nur konkrete Beschreibungen von 12 Akte darlegt. Diese letzte Anzahl würde unwichtig sein, wenn es nicht mit einer anderen Tatsache verbunden war. Elvira behauptet, dass Ingrid Augenzeuge von 11 unter den 12 konkret beschriebenen Akte wäre. Ausserdem gab es auch weitere Augenzeugen bei 7 Akte. Der Mutter Geliebter hat Elvira mit Gewalt genommen in Ingrids Anwesenheit, und Ingrid mit Gewalt genommen in Elviras Anwesenheit. In einem Sexklub hat Elvira auch angeschaut, dass Ingrid mit Gewalt genommen war.

 

An einer Gelegenheit hat Elvira angeschaut, dass Ingrid des Vaters Anus mit Nagellack mahlte. Aber Elvira erzählt von einem späteren Gespräch, in welcher Ingrid erwidert habe, dass Elviras Erinnerung fehlerhaft sei. In der Wirklichkeit war es Elvira, die den Anus mahlte, während Ingrid das anschaute. Elvira sagt auch aus, dass diese Erinnerung auftauchte bald, nachdem sie während eine psychotherapeutische Konsultation den Ken Puppen mit Nagellack zwischen seinen Beinen gemahlt hatte.

 

Der Lucia-Tag (13. Dezember) ist ein grosses Festival in Schweden. Wir sind aber keine Auskunft gegen darüber in welchem Jahr die folgende Gegebenheit geschah. Beide Töchter erweckten ihre Eltern mit Kaffee und Lebkuchenplätzchen. Sie sangen „Santa Lucia“. Ingrid war Lucia mit einem Kranz von brennenden Kerzen auf ihr Haupt, und Elvira war ihre Magd.

 

Jedoch zeigten die Eltern keine Dankbarkeit. Jede hatte unmittelbar eine Tochter gegriffen, so dass alles Porzellan und alle Kuchen auf dem Boden fielen. In ihrem Doppelbett hat der Vater normaler Koitus mit Ingrid gemacht, während die Mutter einen lesbischen Akt auf Elvira ausgeführte.

 

Ingrid ist keineswegs der einzige „Augenzeuge“, die verneint, dass sie irgendeine unanständige Handlung beobachtet oder in ihr teilgenommen hat. Alle „Augenzeugen“ verneinen alles. Und der Mutter Geliebte wurde nie beim Gericht verklagt.

 

Eine oder beide Eltern haben in fünf Prozesse teilgenommen; zwei im Amtsgericht und drei im Landesgericht. Das letzte Team von fünf Richter im Landesgericht fanden es bewiesen jenseits aller Zweifel, dass der Lucia-Übergriff wirklich geschehen wäre und zwar in der Form, die Elvira dargelegt hatte. – Die Richter wussten aber, dass Ingrid dieses Erlebnis verleugnete. Sie müssen eine eigenartige Logik anwendet haben, um Ingrid aus der Gegebenheit wegzuschneiden und nicht desto weniger den Vater für schuldig zu derselben Vergewaltigung zu erklären.

 

(3) Während der letzten drei Monate, die das erste Polizeiverhör vorausging, haben verschiedene Personen vier Gruppenzusammenkünfte arrangiert. Der Vater wurde nie zu diesen Zusammenkünften eingeladen. - An alle vier Zusammenkünfte sagte Elvira unzweideutig, dass sie keine Erinnerung von sexuellen Übergriffen habe. Sie wiederholte das Selbe während des ersten Polizeiverhöres. Bei dieser Gelegenheit hat sie aber zugefügt, dass sie absolut sicher war, dass kein Übergriff während der letzten 5½ Jahre vorgekommen war (d.h. nachdem die Familie zu einer Villa umgezogen war). Diese Aussage ist besonders bedeutungsvoll, weil der Vater ausschliesslich für Übergriffe durch diese Periode verurteilt war. – Ihr Psychotherapeut hat auch bestätigt, dass sie weder Erinnerungen noch „Bilder“ vor der erste Polizeiverhör berichtete.

 

Ferner, in der ersten vier Polizeiverhöre, die zusammen sechs Stunden umfassen, gibt es keine Spur von irgend einen unter den Verbrechen, für welche der Vater einige Wochen später verurteilt wurde.

 

(4) Sowohl in einem Polizeiverhör wie in der letzte Prozess in dem Landesgericht hat die Mutter berichtet, dass Elvira und der Vater bisweilen in ihr Zimmer hineingegangen waren und die Tür geschlossen haben. Wenn sie herauskamen hatte Elvira einen sonderbaren Gesichtsausdruck, als ob der Vater wütend wäre. Diese Darstellung ist korrekt beschrieben auf Seite 22 in dem Urteil. – Weil die Mutter taub ist, könnte sie es nicht hören, falls der Vater Elvira einen ordentlichen Anschnauzer gegeben habe. Er kann sie nicht geprügelt haben, denn alle Familiemitglieder stimmen darin übereins, dass er die Kinder nicht geschlagen hat seitdem sie sehr klein waren.

 

Die Rechfertigung der Beurteilung der fünf Richter betreffend der Schuld und der Grösse der Strafe steht auf Ss. 42 und 44 in dem Urteil. Jedoch haben die Richter auf diese Seiten völlig vergessen, was die Mutter der Polizei erzählte, und was die Mutter im Landesgericht bezeugte. Die haben sogar ihre eigene Darstellung von ihrer Zeugenaussage vergessen, so wie sie auf S. 22 in dem selben Urteil steht: die Worte in fetten Buchstaben sind verschwunden. Ferner ist Elviras „sonderbarer Gesichtsausdruck“ als Beweis umgedeutet, dass das Paar Koitus gehabt habe. Die Richter fahren fort: die Tatsache, dass der Vater nicht einmal versucht hat, die Übergriffe der Mutter zu verbergen, beweist, dass die Anzahl der Übergriffe beträchtlich gewesen sein müsse.

 

In Wahrheit hat Elvira niemals ihrem Vater von sexuellen Übergriffen beschuldigt, in ihrem eigenen Zimmer und an solchen Zeiten, wenn die übrige Familie wach und zuhause war.

 

Weder Elvira noch ihr Vater könnte erinnern, dass sie jemals alleine auf ihr Zimmer waren; nicht einmal ohne kriminelle Handlungen. Falls es geschehen wäre, könnte der Vater sich vorstellen, dass sie TV gesehen oder Musik zugehört hatten. Die Tür möchte geschlossen sein um zu verhindern, dass der Hund der Familie (oder in Praxis eher der Elvira) über das ganze Haus haaren möchte.

 

In fünf Prozesse haben 27 Richter die Schuldfrage entschieden. Keiner von ihnen hat irgend eine unter meinen Kardinaltatsachen entdeckt. Auch hat keiner von ihnen das Bedürfnis empfunden, Ingrid von den Gegebenheiten, in denen sie angeblich teilgenommen hatte, zu fragen.

 

Was bisher dargestellt ist, sind nur meine vier Kardinalresultate. Ich habe genug Resultate erhalten, um ein Buch auf 205 Seiten zu füllen. Sein Titel ist Textual Analysis of a Recovered Memory Trial Assisted by Computer Search for Keywords. In Anfang von März dieses Jahr wurde es publiziert in der Serie Uppsala Studies in Education. Es wurde auch auf Internet zugänglich gemacht für kostenlose Herunterladen.

 

Einige Wochen später wurde das Buch zurückgenommen. Und am 5. Mai hat der Lektor Lennart Wikander bestimmt, dass die ganze Auflage gebrannt werden muss. Wikander ist Präfekt an der pädagogischen Institution am Uppsala Universität. Er hat auch alle Kopien, die ich noch hatte, zurückverlangt. – In Folge von gänzlich unplanierten Zufälligkeiten war es mir gelungen 40 % von der Auflage zu retten.

 

Wikander hat noch einen Schritt gemacht, der als ein Scherz aufgefasst werden könnte. Er hat von mir verlangt, dass ich sämtliche Kopien, die ich Forschern in mehr als 15 Ländern gesendet hatte, zurückfordern solle und sie ihm ausliefern, damit auch die verbrannt werden können.

 

Ausserdem hat Wikander zwei A4-Seiten mit Argumenten angereiht, die die Notwendigkeit der Vernichtung der Bücher begründen sollen. Sämtliche Begründungen handeln um rein formale Fehler, die ich angeblich gemacht habe. Wikander hat den Journalisten erzählt, dass die Vernichtung überhaupt nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun hat.

 

Nun, während der letzten 25 Jahren habe ich fünf Bände in Uppsala Studies in Education veröffentlicht. Bei allen habe ich genau dieselben „Fehler“ gemacht, die Wikander zusammengestellt hat. Es gibt in toto ein einzelnes Ding, das ich diesmal anders als gewöhnlich gemacht habe. Und falls das ein Fehler ist, ist es ein trivialer Fehler, dass mit einem Pennestreich korrigiert werden konnte. – Man könnte auch den Schluss machen, dass Wikander mir nicht so viele falsche Regelbrüche zugeschrieben hatte, falls er meinte, dass der einzige Regelübertritt, den ich wirklich gemacht habe, ausreichend wäre, um sehr wichtige Forschungsresultate zu vernichten.

 

In Schweden ist eine lange Debatte über das Buchbrennen aufgekommen. Abgesehen von ein Paar Freunden Eva Lundgrens hat keiner Wikanders Behauptung ernst genommen, d.h. keiner hat geglaubt, dass sein Beschluss wirklich auf formelle Fehler begründet sei. Alle haben unmittelbar verstanden, dass ich den peinlichen Konflikt aus 2005 wieder aufrissen habe, und dass Lundgrens Ruf auf Spiel stand.

 

Ihre eigene Beschreibung der Södertälje-Sache wurde in 1994 publiziert und erstaunlicherweise nicht in Schweden, sondern in Norwegen. Der Titel ihres Buches bedeutet „Lassen die kleinen Kinder zu mir kommen“. Elvira ist dem Pseudonym „Mathilde“ gegeben. Lundgrens eigene Darstellung ist dann und wann abgebrochen durch kurze Abschnitte aus ihren Interviews mit Elvira oder durch Elviras Zeichnungen von den Mordstellen. Sämtliche Beschuldigungen sind für bare Münze genommen. Lundgren hat nicht einmal kontrolliert, ob Elviras Aussagen in den Interviews mit ihren Aussagen in den Polizeiverhören übereinstimmen.

 

Mit anderen Worte, Scharnbergs Buch landete gerade in einem Wespennest. Der Nachweiss, dass Elviras Geschichten weder von ihr erlebt waren, noch erfunden waren, sondern erfunden und indoktriniert waren von ihrer Pflegemutter, beraubte Lundgren ihres stärksten Beweis von rituellen Kindermorden in Schweden.

 

Die nachfolgenden Gegebenheiten entlarvten auch wie lang die Universität gehen möchte. Das Buch war das Resultat von ganztägiger Forschungsarbeit unter drei Jahren, und wichtige wissenschaftliche Errungenheiten sowie bedeutungsvolle methodologische Erneuerungen mussten vernichtet werden, um die pseudo-wissenschaftliche Art von Lundgrens Forschungen zu verbergen.

 

Der Beschluss Scharnbergs Buch zu brennen könnte auch als ein Signal für andere Wissenschaftler aufgefasst werden: Keiner sollen Forschungsresultate publizieren, die Zweifel an Erinnerungstherapie oder an anderen von Eva Lundgrens Vorstellungen erwecken könnten.

 

6 November 2009



Textual Analysis of a Recovered Memory Trial Assisted by Computer Search for Keywords
By Max Scharnberg, Associate Professor


Uppsala University Burns a Book on Recovered Memories
By Max Scharnberg, October 5, 2009


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